Insel der Freiheit, Insel der Kunst – Der Maler Gerhard Moll

Gerhard Moll, Jahrgang 1920, gehörte zu den Malern der ersten Stunde, die die Kunstszene in Deutschland aus den Trümmern des Zweiten Weltkrieges wieder aufgebaut und belebt haben. Dem Dienst für Hitlers Regime hatte er sich erfolgreich verweigert und ein Kunststudium absolviert, während noch Bomben auf Berlin fielen. Nach den Jahren der Zensur und Verfolgung wagte er die ersten Schritte in eine neue Zeit und eroberte den öffentlichen Raum mit seiner Kreativität zurück.

Gemeinsam mit etablierten Größen wie Ernst Wilhelm Nay, Karl Hartung und Willi Baumeister stellte er in der Galerie Gerd Rosen aus, der ersten deutschen Kunstgalerie nach 1945 überhaupt. Weitere junge Talente wie Wolfgang Frankenstein, Werner Heldt und Heinz Trökes kamen hinzu. Sie alle verband der Wunsch nach Freiheit. Sie wollten kreativ sein, sich entfalten und die Fesseln der Vergangenheit abschütteln.

Die Berliner nahmen das Angebot begeistert auf und drückten sich an den Schaufenstern am Kurfürstendamm die Nasen platt: Endlich wieder freie Kunst, endlich wieder Luft zum atmen! Zu den Ausstellungen und Vorträgen drängten sich so viele durch die ungeheizten Räume, dass das Kondenswasser an den Wänden herablief.

Aber es gehört zu den Ungerechtigkeiten des Lebens, dass die Begeisterung nicht lange anhielt. Als hätten sie ihre Schuldigkeit getan, wurden die Helden des Neuanfangs mit den Kriegserinnerungen verdrängt und zwischen Ost-West-Konflikt und Wirtschaftswunder allmählich vergessen.

Gerhard Moll traf dies besonders hart: Ab 1951 wurde er in Westberlin ausgebootet, weil er es wagte, auch im Osten zu arbeiten. Und 1961 trennte ihn der Mauerbau von seinen Freunden und Kollegen dort. So lebte er bescheiden und zurückgezogen auf seiner Westberliner Insel – und sah das Ende der deutschen Teilung leider nicht mehr.

Aber bis zu seinem Tod 1986 malte er unermüdlich weiter und hinterließ uns damit ein Werk von großer Vielfalt und Fülle, das noch immer auf seine Entdeckung wartet. Wir finden, dass es Zeit wird, ihm und seiner Kunst unsere Aufmerksamkeit zu schenken – und laden Sie deshalb herzlich dazu ein!